01.02.2014

Dumm, Dümmer, SEO Märchen

SEO Märchen: Schlechte Links

Ammenmärchen Bad Neighbourhood
Wer sich im Bereich SEO bewegt, für den ist Google Anti Spam Chef Matt Cutts kein Unbekannter. Läßt Onkel Matt einen virtuellen Pups, egal ob via Twitter oder auf seiner Google + Page, dann ist die SEO Gemeinde gleich wieder in heller Aufruhr. Die Meldungen auf Glaskugelleser SEO Seiten und in den bekannten SEO Foren überschlagen sich und wenn man die Interpretationen seiner Tweets oder Videos der "Spezialisten" so liest, dann wird einem ganz schwummerig.

Für wie schlau haltet ihr euch alle?

...oder genauso gut könnte man fragen: "Für wie blöd haltet ihr Google?"

Glaubt wirklich einer von euch, ihr würdet hier ehrliche und hilfreiche Tipps bekommen, die euch erklären, wie ihr besser die Google Suchergebnisse manipulieren könnt? Glaubt ihr wirklich, dass der liebe Gott der SERPS, hier und da auch Matt Cutts genannt, euch auf die Sprünge hilft, damit ihr mit eigentlich nutzlosem Schrott oder dem zweitausendfünfhundertachtem Copy-Cat Inhalt, an seit Jahren bestehenden Webseiten in den Rankings vorbei zieht? Wenn es Google nach ginge, dann würden sie die SEO Zunft mit Mann und Maus verbrennen, denn dann könnte man die Hälfte der Serverkosten sparen, die dadurch verursacht werden, dass das Netz ständig vollgepumt wird mit neuen Satelliten Projekten oder Artikeln, die nur dem Linkbuilding dienen und die niemals entstehen würden, wenn diese Links nichts bringen würden.

Die angeblich böse Nachbarschaft

Mal abgesehen, dass 95% auf dieses Märchen anspringen und das Disavow Tool von Google fleissig nutzen, um die bösen Links zu melden,wird das englische Wort für Nachbarschaft auch noch permanent falsch geschrieben. Findet man sogar im SEO Lexikon der Allwissenden die falsche Schreibweise. Matt ist Amerikaner und hat noch nie über bad neighbourhood gesprochen oder geschrieben, sondern immer von bad neighborhood. So wie es eben im amerikanischen Englisch üblich ist und wenn man ihn zitiert und auf die genutzen Begriffe eingeht, dann sollte man schon bei den richtigen Zitaten bleiben. Aber das nur klugscheisserisch am Rande.*Klugscheisser-Modus aus*

Das Disavow Tool von Google kommt eigentlich einer Selbstanzeige gleicht. Wer auch nur ein wenig mit denkt, dem sollte klar sein, dass es vollkommen sinnlos ist, diese Links mühselig heraus zu suchen und alle "ordnungsgemäß" an Google zu melden. In der Regel werden das auch nur Webmaster, bzw deren beauftragte Suchmaschinenoptimierer tun, die solche Links selbst via Spamsoftware gesetzt haben oder eben haben setzen lassen. Angebote für solche Xrumer und Co Massenspam Aktionen gibt es für sehr kleines Geld zu Genüge zu kaufen. Darunter sind dann nämlich die ganzen "Gottanbeter", die nasse Füsse und feuchte Unterhosen bekommen, wenn Onkel Matti einen Tweet sendet und versuchen "zu retten, was zu retten" ist.

Den Grips einschalten hilft ungemein

Womit wir dann beim Thema wären.
Negative Links, schlechte Links, die eine Abwertung der Link empfangenden Seite zur Folge haben, gibt es nicht! Punkt!

Das kann ich zwar nicht offiziell beweisen, aber das können die Befürworter dieser Schnapsidee genauso wenig. Das "Böse Seiten Verpetzer Tool" hilft Google lediglich seine Datenbank mit Seiten zu befüllen, deren ausgehenden Links nicht mehr gewertet werden. Und nun hat man sogar bei Google tausende kostenlos arbeitende Hohlköpfe, die diese "böse Liste" auch noch aktuell halten und weiter vervollständigen.

Doch was passiert nun mit Seiten, die in ihrem Linkprofil solche schlechten Links haben? Werden die abgestraft? Nein - werden sie nicht. Das Einzige was passiert ist die Tatsache, dass diese Links, die vorher in die Wertung einbezogen wurden, durch eine Entwertung dieser Links eben nichts mehr Wert sind und genauso behandelt werden, als wären sie nicht vorhanden. Das ist dann auch der Grund, warum man in den Rankings fällt. Nicht weil man "abgestraft wurde", sondern weil man auf einmal weniger gewertete Links hat, als vorher und die Konkurrenten, die bis zu der Linkentwertung hinter einer solchen Seite standen, eben ein paar Plätze gut machen.

Die Rede ist dann auch ständig von: "Meine Seite ist in den SERPs gefallen!"

Dass eine Seite vielleicht gar nicht gefallen ist, sondern eine unveränderte Wertungskennzahl hat, aber andere eben gestiegen sind, auf die Idee kommt da erst gar keiner. Und eigentlich sind ja auch nie die betroffenen Seitenbetreiber oder die SEOs Schuld, sondern immer die böse Frau Google, die einem mutwillig das Business zerstört.

Was wäre, wenn es eine negative Linkbewertung gäbe?

OK - dann fangen wir mal an, unser Hirn von dem ganzen Glaskugelunsinn, der so im Netz kursiert, zu befreien und versuchen logisch zu denken und uns in die Lage von Google zu versetzen.

Angenommen, es hätte wirklich negative Auswirkungen auf das Ranking, wenn eine Seite solche bösen Backlinks bekommt. Warum sollte ich dann viel Geld für den Linkaufbau und "gute und wertvolle Links" ausgeben, um irgendwie mit der Konkurrenz mithalten zu können oder sie eben zu überflügeln? Ich habe hier einige "Preislisten" von SEO Agenturen liegen, die man auch ohne Stress auf Anfrage bekommt, wenn man sich als "finanzkräftiger Backlink Kunde" ausgibt. Da staunt man nicht schlecht über die Tatsache, dass dort zum Teil 4 stellige Beträge für einen Artikel mit einem nofollow Link verlangt werden. Ein weiterer Aspekt, der einen aufhorchen läßt, ist der Punkt, WO und auf welchen Seiten man diese Links erwerben kann.

Dort befinden sich Seiten in den Portfolios, von denen man niemals dachte, dass man dort Links kaufen könnte. Scheinbar ist das für die Verlage und Portale mittlerweile das viele lukrativere Geschäft, als die ganz offiziellen Werbeeinnahmen. Hier braucht man ja auch keine Mediadaten oder rechnet nach Klicks ab, sondern man bekommt für den Artikel Betrag X fest in die Kasse gespült. Ob bei dem Linkempfänger jetzt Traffic ankommt oder nicht, spielt in dem Fall gar keine Rolle. Es geht ja nur um den Wert des Backlinks für die Google Rankings. Wenn natürlich noch Besucher über den Link kommen, dann umso besser, aber im Grunde ist es auch nicht Schlimm, wenn der Traffic ausbleibt. der ist sowieso nur das Sahnebonbon für sehr kurze Zeit, das auf Tage oder gar nur auf Stunden beschränkt ist, denn dann ist der Artikel schon längst wieder durch gerutscht und auf Grund der Masse an Newsmeldungen solcher Portale innerhalb von Stunden schon wieder kalter Kaffee.

Lege ich nun die Kosten für einen Einzigen solchen Link zu Grunde und nehme nur mal einen mit mittlerem Wert von 500 Euro, dann könnte ich mir beim derzeitigen Dollarstand 120 Pakete a 5.000 - 10.000 Backlinks kaufen.

Verteile ich nun jeweils 6 solcher Pakete auf die Top 20 in den SERPs zu meinem gewünschten Keyword, dann könnte ich jeder der Konkurrenzseiten rund 40 - 50 Tausend "negative Links" bescheren :) Da wünsche ich aber jedem, der von mir "beschenkt" wurde, viel Spaß bei der Suche nach den Links (denn die werden lange nicht alle von den teuren SEO Tools gefunden) und natürlich auch viel Geduld bei der Fütterung des Verpetzer Tools bei Google mit dem ganzen Schrott.

Da braucht ihr euch die nächsten Wochen und Monate nichts anderes vornehmen. Und wenn ihr es nach mühseeliger Arbeit wirklich schaffen solltet ALLE "schlechte Links" zu melden - nun ja - kostet mich dann schlappe 4 Euro, um euch wieder wochenlang zu beschäftigen. In Black Hat Foren gibt es permanent Nachschub mit URL Listen von Blogs, Foren, etc, die man mit SeNuke, Xrumer und sonstigen Spamtools automatisch mit Backlinks voll müllen kann. Wenn es nach der Theorie der "Bad Neighborhood" Prediger gehen würde, dann müssten die bepflasterten Seiten im Suchmaschinen Nirvana landen.

Tun sie aber nicht. Und warum?
Weil Google genauso gut weiß, dass es eben diese Möglichkeiten gibt und gäbe, die Suchergebnisse in dieser Art und Weise innerhalb kürzester Zeit zu manipulieren und unschuldige Seitenbetreiber zu bestrafen, bzw aus dem Weg zu räumen. Ergo - was passiert? Die betroffene Seite behält den Rankingwert, den sie vorher hatte. Sie wird eben NICHT negativ mit Minuspunkten versehen, was ja weitläufig behauptet wird. Das ist ein riesiger Unterschied, ob Pluspunkte einfach gestrichen oder Minuspunkte vergeben werden.

Als Rechenbeispiel:

Ich habe eine Seite mit 100 gewerteten Backlinks - 50 werden als Spam entwertet.
Bleiben 50 gewertete Links und die Seite rutscht im Vergleich zu vorher ab.
Ich habe eine Seite mit 50 gewerteten Links - und ballere 50 schlechte drauf.
Bleiben 50 gewertete Links und nichts verändert sich.

Und wer mir jetzt mit dem Argument kommt:

Ja, aber Matt Cutts hat doch gesagt....

Es gab früher mal eine Radiosendung:
"Du Papa, Charly hat gesagt, sein Vater hat gesagt... "

Matt Cutts hat auch einige Tage vor dem letzten PR Update auf die Frage, wann und ob überhaupt ein PageRank Update kommen würde, weil das letzte ja schon 9 Monate her wäre, geantwortet:

"2013 wird es mit Sicherheit kein Pagerank Update mehr geben"

Prompt war pünktlich zum Nikolaustag das Update da.

Also soviel zu: Matt Cutts hat aber gesagt...

Kommentare:

  1. Oh ja die liebe Sache, vor allem mit den PR Updates.... Besonder beliebt in letzter Zeit: Pagerank Prediction. Super Aussagekräftig alles! Wir haben vor kurzem unsere Spieleseite Playstation Choice auf eine neue Domain umgezogen. 3 Monate später hat sich weder am PR was getan, noch hat google mittlerweile den Umzug bemerkt. Wir wurden sogar schon in den Suchergebnissen klein gehalten, weil wir www.pschoice.de und www.Playstation-choice.de auf den gleichen Webspace geleitet haben, um den Traffic über die alte Adresse nicht zu verlieren....

    Das ganze ist doch eh nur ein Witz, wer meint er könne von irgendwelchen Profis irgendwas erfahren der sollte sich nicht an Google selbst wenden! Das ist Quatsch.

    Gruß Frank
    von Playstation Choice

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    1. Hallo Frank,

      danke für deinen Kommentar, aber einmal den Link zu hinterlassen hätte genügt. Normalerweise landen solche Kommentare im Schredder. Wenigstens hast du dir die Mühe gemacht auf den Artikel Bezug zu nehmen im Gegensatz zu der "Marketing-Abteilung" von www.inifa.de

      Gruß,

      Pixelfree

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  2. Unglaublich guter und lustiger Artikel dem ich eigentlich nur zustimmen kann. Über die Tatsache des "Konkurenz kaputtkaufen" hab ich noch nie nachgedacht aber auch hier hast du mit deinem Beispiel recht.

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    1. Hallo Phil,

      danke für dein Feedback.

      Über das Thema "schlechte Links kaufen" und die Einfachheit, mit der das zu bewerkstelligen ist, sollten sich mal die ganzen Verfechter der "Schlechte Links Theorie" mal Gedanken machen.

      Vielleicht merken die ja was ;)

      Gruß,

      Pixelfree aka Peppermint

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    2. Hey,

      sehr guter Artikel! Ergibt sowas von Sinn, war mir bisher aber nicht klar, dass es keine "negativen" Links geben kann.

      Eines aber noch:
      "Aber das nur klugscheisserisch am Rande.*Klugscheisser-Modus aus*"
      Soweit ich weiß bleibt das "ß" nach einem Diphthong und wird nicht mit dem "ss" ersetzt.... :D

      Grüße
      Peter

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    3. Hallo Peter,

      ich könnte ja nun noch ein paar Beispiele nennen, bei denen ich das auch getestet habe. Die habe ich NUR mit solchen Spammlinks beschossen. Einfach um zu sehen was passiert. Die sind zwar nicht in den Top 10, aber ranken trotzdem. Fehlen eben ein paar starke Links.

      Wegen deinem Klugscheisserbeitrag :-)
      Hm - habe ich mich jetzt a) nicht weiter mit auseinander gesetzt und b) nutze ich hier ab und an den Desktoprechner - da ist mir die alte Tastatur kaputt gegangen und die, die ich hier gekauft habe hat kein Esszett ;)

      Manchmal füge ich das via copy&paste ein - manchmal auch nicht - je nach Lust, Zeit und Laune - aber dazu empfehle ich den Artikel meiner Rechtschreibbelehrung :)

      Dafür habe ich aber ganz tolle Sachen, wie z.B. das ñ - ç oder das hier ¿ ;)

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  3. Rasieraparat Volltrottel3/14/2014 12:57:00 vorm.

    Wenn das Disavow Tool einer Selbstanzeige gleichkäme, dann müsste Google jeden Webseitenbetreiber unter Generalverdacht stellen Linkbuilding zu betreiben. Das ist total lächerlich.

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    1. Hallo Rasieraparat Volltrottel,

      also zunächst mal der Hinweis, dass ich deinen Kommentar frei geschaltet habe. Natürlich ohne dein asolut behämmertes Key Word Spaming als Name. Alleine das zeigt schon, dass du nicht den leisesten Hauch Ahnung von der Materie hast.

      Den Artikel scheinst du auch absolut nicht verstanden zu haben. Sonst hättest du hier nicht so eine gequirrlte Kacke verzapft. Wieso sollte jeder generell verdächtigt werden?

      Erstens steht das in keinster Weise im Artikel und zweitens nutzt ja nicht jeder Webseitenbetreiber dieses Tool. Ich bezweifle sogar, dass du überhaupt weißt, was es ist.

      Also beim weiteren Kommentar spammen bitte Hirn einschalten. Bezüglich des Beitrags und der Namensangabe genauso.
      Vom Pinguin scheinbar auch noch nichts gehört, was?

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  4. SEOs halt. Tue dies nicht, tue jenes nicht und wenn Du dann die Mitbewerber analysierst, dann haben sie genau das getan was Du selbst nicht tun solltest. Das ist schon ärgerlich genug. Die Krönung sind aber die Vögel, die Dir erst den Blog sinnlos vollspammen und dann Monate später Mails schreiben, Du mögest bitte die Kommentare löschen weil Du nicht mehr in die Linkstrategie passt. Toll, Linkstrategie, als ob das jetzt für die Seite so schlimm ist, wenn ich hier zum Thema Silberschmuck einen Link in den Kommentar packe. Die Seite schmiert jetzt im Ranking wahrscheinlich völlig ab weil der Link nicht themenrelevant ist. Oder aber es tauchen morgen 100 andere Schmuck-Shops in den Kommentaren auf weil der Laden durch die Decke gegangen ist. SEOs nerven ;)

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  5. Haha - Links entfernen kostet doppelt soviel, wie setzen ;)
    Ausgenommen Schmuck-Shops - die bitte ich dann ab jetzt zur Kasse, wenn nach dir noch welche kommen ;)

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  6. Wenn jemand den ultimativen SEO Trick kennt um am ersten Platz zu sein, sagt bescheid. :-)

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    1. Klar - ich schicke dir dann einen Screenshot, wenn ich zu allen möglichen Suchanfragen auf Platz 1 bin. Ich hoffe für dich ist dann Platz 2 für sämtliche Suchanfragen ok - aber ich denke das passt schon :)

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